Open Heat Grid

Offene Wärmenetze in urbanen Hybridsystemen

Das Projekt Open Heat Grid untersuchte, wie eine Einspeisung industrieller Abwärme in bestehende Fernwärmenetze – und damit eine Steigerung der Primärenergieeffizienz – forciert werden kann. Als Fallbeispiele wurden die Städte Linz und Wien herangezogen.

Die endkundenseitige Regulierung der Fernwärmepreise ist in Österreich aktuell durch das Preisgesetz 1992 möglich und wird auch angewandt; die Untersuchung der endkundenseitigen Regulierung war daher kein Projektziel. Für Deutschland wurde die „Regulierungsbedürftigkeit des Fernwärmesektors“ untersucht, wobei hier ein negatives Ergebnis vorliegt, weil die Kosten-Nutzen nicht gegeben scheinen.

Im Projekt Open Heat Grid wurden vier Regulierungsansätze für die Einspeisung von industrieller Abwärme in das Fernwärmenetz untersucht:

1.Als Benchmark ein bilateraler Vertrag zwischen Fernwärmenetzbetreiber und Einspeiser, so wie er auch heute möglich ist und vielfach zur Anwendung kommt.

2.Eine nicht-regulierte, freiwillige Ausschreibung eines stundenaktuellen Einspeisetarifs durch den Fernwärmenetzbetreiber, wie dies Fortum im Stockholmer Fernwärmenetz durchführt.

3.„Regulierter Zugang“: Eine Verpflichtung des Fernwärmenetzbetreibers zur Abnahme der industriellen Abwärme, wie das schwedische Fernwärmegesetz dies vorsieht.

4.Eine Liberalisierung wie am Strom- oder Gasmarkt.

Ergebnis: Eine Regulierung wird aus volkswirtschaftlichen, rechtlichen und technischen Gründen als nicht zielführend angesehen.

Im Gegensatz zu z.B. Stromnetzen, wo überall bestimmte technische Bedingungen (Spannung, Frequenz) herrschen, unterscheiden sich Fernwärmenetze von Netz zu Netz – aber auch innerhalb des Netzes bestehen Unterschiede hinsichtlich Druck, Temperaturen, Kapazitäten, etc. Die Funktionalität des Netzes darf durch die Einspeisung nicht vermindert werden. Eine Regulierung müsste daher entweder extrem detailliert oder sehr vage sein; beides erscheint weder kosteneffektiv noch zielführend.

Eine Liberalisierung ist strikt abzulehnen. Erstens ist das Wärmenetz lokal begrenzt. Damit bilden die wenigen potenziellen Wärmeproduzenten ein Oligopol, und eine Regulierung der Netzkosten kann durch den sogenannten Wasserbetteffekt umgangen werden. Eine Vollliberalisierung ist aus Endkundensicht zu vermeiden. Zweitens erfolgt eine industrielle Einspeisung dann, wenn die variablen Kosten dies zulassen – also auf Basis der Position in der dann gültigen „Wärme-Merit-Order“. Die erzielte Produzentenrente wird zur Deckung der Investitionskosten der Abwärmeeinspeisung herangezogen. Die wirtschaftliche Analyse zeigt, dass diese Position exakt gleich ist, wenn keine Liberalisierung besteht, sondern nur bilaterale Verträge. Die Liberalisierung verbessert also die Position der Abwärme nicht.

Ähnliches gilt für den regulierten Zugang. Wäre der regulierte Zugang als eine Abnahmeverpflichtung zu einem bestimmten Einspeisetarif pro MWh definiert, könnte dieser je nach stundenaktueller Situation über dem Wärme-Merit-Order-Preis liegen und folglich die Gesamtkosten erhöhen. Dies unterstützt zwar die Amortisation der Investitionskosten seitens der Industrie, führt aber zu höheren Endkundenpreisen oder geringeren Margen (die meisten Fernwärmebetreiber befinden sich im Eigentum der öffentlichen Hand).

Die Analyse zeigt, dass die Einspeisung primär durch privatwirtschaftliche Initiativen anzustreben ist und eine einspeiseseitige Regulierung keinen zusätzlichen Nutzen bringt.

Ein bilaterales Übereinkommen lässt den Vertragspartnern größtmögliche Flexibilität bei der Bestimmung der technischen und finanziellen Parameter der Einspeisung. In diesem Rahmen ist auch die nicht-regulierte, freiwillige Ausschreibung möglich. Jedoch wurde im Zuge des Projekts offensichtlich, dass diese interagierenden Freiheitsgrade oftmals zu hoher Komplexität führen. Zur Vermeidung von Komplexitäten und für zielführende Verhandlungen sind Guidelines zu entwickeln. Essenzieller Bestandteil der Guidelines ist die Durchführung einer Kosten-Nutzen-Analyse.

Nur für den Fall, dass Verhandlungen aus persönlichen oder politischen Gründen (also nicht wirtschaftlichen, technischen, rechtlichen) scheitern, kann ein regulierter Zugang als Motivator für die Verhandlungen dienen: Im Interesse der Endkunden dürfen dann dem Wärmenetzbetreiber keine zusätzlichen Kosten aus der Einspeisung der industriellen Abwärme entstehen. Die Abwärme bereitstellende Industrie hat dann das Recht einzuspeisen, muss die Wirtschaftlichkeit aber selbst sicherstellen. Die seitens des Wärmenetzbetreibers eingesparten Kosten sind als Einnahmen der Abwärme anzusetzen (aktueller Wärme-Merit-Order-Preis). Für den Wärmenetzbetreiber ist der Zugang sodann kostenneutral, für den Industriebetrieb kann eine Amortisation vorliegen. In Schweden definiert das Fernwärmegesetz diesen regulierten Zugang, er kam noch nie zum Einsatz.

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Dieses Projekt wird aus Mitteln des Klima- und Energiefonds gefördert und im Rahmen des Programms „ENERGY MISSION AUSTRIA“ durchgeführt.

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Datum: 00.00.2015
Ort: Wien

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Datum: 00.00.2015
Ort: Wien

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Artikel, erschienen im Energy-Innovation Austria des BMVIT

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